Vernissage

Montag, 27. August 2012, 17.30 Uhr, Ort: HPS

Bericht von der Chronistin Eva Kuhn

 

Zum Einstieg in ein Jubiläumsjahr…

Zu einem Jubiläum gehört ein offizieller Festakt: Die HPS verbindet ihn mit der Vernissage zur Geschichtssaustellung und der Jubiläumsschrift ganz nach dem Motto „Feiern und Geniessen“.

Stolz auf Pionierleistung

„So wie der Wettinger Stern leuchtet, so leuchtet auch die HPS Wettingen“, verkündet Gemeindeammann Dr. Markus Dieth voller Stolz. Aus einer einzigen Sonderklasse wurde eine starke Schule mit einem wichtigen Bildungsauftrag für die Region Baden-Wettingen und den Kanton Aargau. Doch wie viele Jahre dauerte es, bis der jetzige Neubau realisiert werden konnte – welch gesellschaftliches Umdenken musste geschehen, bis  Schulung und Bildung für Behinderte zu einer Selbstverständlichkeit wurden! Starke Menschen haben die Entwicklung der HPS geprägt und voran getrieben, und starke Menschen sind es an diesem Jubiläumsanlass, die mit Stolz, Freude und Selbstbewusstsein auf das Erreichte zurück blicken.

Eindrückliche Dokumentation

Als ehemaliger Schulpflegepräsident hat Franz Hard die HPS hautnah erlebt und die Jubiläumsschrift verfasst. Die erste Lehrerin muss ein Übermass an Kraft, Engagement und Willen gehabt haben, um all die Schwierigkeiten zu bewältigen: kein Lehrmaterial, die grosse Arbeitsbelastung, fehlende Kollegen, Transportprobleme – in den Strassen mussten sich die Menschen erst an Behinderte im öffentlichen Raum gewöhnen!  - 40 Seiten umfasst die Jubiläumsschrift, professionell gestaltet und gedruckt. Zu Recht darf der Autor stolz auf dieses Produkt sein, das mit einem Papiersack voller Dokumente vor seiner Haustür begann. (Die Jubiläumschrift kann gratis bei der HPS bezogen werden.)

Das Schlemmerbuffet

Unauffällig haben sich unterdessen die festlich gedeckten Tische gefüllt. Platten über Platten tragen der Koch Rolf Stiefel und seine beiden Mitarbeitenden (eine Lernende und ein Jungkoch) in den Saal, gefüllt mit auserlesenen Leckereien vom Feinsten. Gern probiert man einen Schluck Chlöpfmoscht, elegant in Sektgläsern serviert, das heisse Sommerwetter hat durstig gemacht. Die Unterhaltung ist angeregt: Man kennt sich, tauscht aus über gemeinsame Zeiten und Erinnerungen, geniesst die lockere Atmosphäre.

‚Blitzlichter‘ zur Ausstellung

Eine Arbeitsgruppe, bestehend  aus 5 Lehrpersonen und zwei Studierenden, hat die Ausstellung konzipiert. Auf den ersten Blick fällt die Säule beim Eingang auf, dekoriert mit Fotografien, welche die verschiedenen Behausungen der HPS während der letzten 50 Jahre aufzeigen. Die diversen Häuser kommen dem Betrachter plastisch hervorgehoben als 3D-Bilder entgegen. Welche Gegensätze zu dem heutigen modernen Gebäude! Abdrucke von Zeitungsausschnitten geben Auskunft über den dornigen politischen Weg. Die Bilder sind Zeugen des Wachstums, aber auch der beengten Verhältnisse. Grosse Flexibilität aller Beteiligten war angesagt. Die damaligen Rektoren bzw. Rektorinnen müssen Herkulesarbeit geleistet haben!

Die witzige Fotorätselgalerie wird sicher das Highlight für die Kinder sein. Was, einen solchen Bart hatte der heute weiss behauptete Lehrer einmal? Ebenso kommt man zum Schmunzeln bei der Filmstation, an der zwei alte Filme zum Schulgeschehen gezeigt werden.

Entlang der Wände hängen Plakate mit Hintergrund- und Detailinformationen. Besonders imponierend die Tafel zu den Angeboten der Schule: Während 1963 der Unterricht rein im Klassenverband stattfand, wurde über die Jahre das Angebot kontinuierlich ausgebaut und umfasst heute Fächer wie Informatik, Hauswirtschaft, Physiotherapie, Schulsport oder heilpädagogisches Reiten. Mit diesem Angebot ist HPS wohl auch heute noch eine Pionier- und Vorzeigeschule.

Hörstationen

Bei den Hörstationen, ausgerüstet mit Kopfhörern, stehen sechs Tonbänder bereit mit Interviews von zwei Eltern und vier ehemaligen SchülerInnen. Ein Vater und eine Mutter berichten von ihren Erfahrungen mit ihrem behinderten Kind und der HPS aus den Anfangszeiten. „Wir Eltern mussten Geduld lernen, ein Prozess, der nie aufhört. Nur mit Geduld, Verständnis und Akzeptanz geht es weiter.“ Christian Regel engagierte sich mit allen Kräften für die „Werkhilfsschule“, die später als Werkstufe der Schule angegliedert wurde. Parallel setzte sich die Elternvereinigung für die Schaffung des Arbeitszentrums ein, in dem erwachsene Behinderte einer Tätigkeit nachgehen konnten. Mary Schwere, deren Tochter von 1967 – 76 die HPS besuchte, wurde später Mitglied der Schulpflege und leistete dort wichtige Arbeit für die HPS.

Sicht einer ehemaligen Schülerin

Interview von Yvonne Holliger-Lutz an, Jg. 1964. Sie weiss nur Gutes zu berichten aus ihrer Zeit an der HPS, von den Schullagern in Ftan. Nach der HPS besuchte sie zwei Jahre die Werkhilfsschule und arbeitet seit 1985 in der ARWO. „Ich bin zufrieden, dass ich dort arbeiten kann, denn man muss froh sein um eine Arbeitsstelle. Nur daheim hocken – das wäre sicher nicht gut!“ Vor zwei Jahren hat Yvonne geheiratet – ihren Mann hat sie 20 Jahre vorher bei einem Skilager kennen gelernt. Die positiven Reaktionen auf ihre Hochzeitspläne freuen sie noch heute. Sie fühlt sich ermutigt, selbständiger zu handeln und Neues auszuprobieren. Ihr Fazit; „Das, was ich habe, schätze ich sehr, es tut mir gut. Es ist das Leben wert.“

Dies ist wohl auch ein riesiges Kompliment an Yvonne wie an alle, die Menschen mit Behinderungen in ihrem Leben begleitet, unterstützt und an sie geglaubt haben.

 

Die Ausstellung „50 Jahre HPS Wettingen“ ist während der Schulzeiten während des ganzen Schuljahres öffentlich zugänglich.